Über mich

Schwester Anita Derungs und ich während des Erzählfiguren-Kurses im Kloster Ilanz, 1995

Schon als kleiner Junge war ich von der Weihnachtskrippe, die in meinem Heimatort Neuses (bei Kronach) in der Pfarrei St. Sebastian alljährlich aufgestellt wurde, fasziniert.

 

Schwester Engelmara, die Leiterin meiner Kindergartengruppe, hatte dies bemerkt. Für mich als damals Fünfjährigen war es jedes Mal ein besonderes Erlebnis, wenn ich mit ihr zusammen die Figuren der Krippe im liturgischen Verlauf wöchentlich neu arrangieren durfte. Obwohl ich noch ein Dreikäsehoch war, habe ich die Figuren mit äußerster Vorsicht von der Schwester entgegengenommen und sie behutsam nach Ihren Vorgaben platziert. Als ich eines Tages zu ihr meinte "Wenn ich einmal groß bin und mein eigenes Geld verdiene, kaufe ich mir auch sowas!", musste sie leise schmunzeln.

 

Diese Kindheitserinnerung ist heute noch für mich sehr lebendig und sicherlich einer der Auslöser dafür, dass ich vom "Krippenvirus" befallen wurde.

 

Meine erste eigene Krippe bekam ich mit sieben Jahren zu Weihnachten von meinen Großeltern geschenkt. Schwester Engelmara hatte ihnen diesen Tipp gegeben. Obwohl es sich dabei nur um ganz schlichte Plastikfigürchen handelt, hat diese kleine Krippe bis heute einen Ehrenplatz in meiner Sammlung.

 

Als ich dann mein erstes eigenes Geld verdient hatte, setzte ich in die Tat um, was ich Schwester Engelmara bereits als Steppke verkündet hatte: Ich fuhr nach Bamberg und habe mir dort meine erste holzgeschnitzte heilige Familie, einen Hirten und eine Mädchenfigur zum Selbstbekleiden gekauft. Im Krippenladen lagen Flyer zum Bamberger Krippenweg aus.

 

Dank dieses Flyers entdeckte ich, dass es in Bamberg einen Krippenverein gab (und heute noch gibt). Ich wurde Mitglied des Vereins Bamberger Krippenfreunde und lernte dort Florian Hofmann und seine Familie kennen, mit denen mich bis heute eine sehr gute Freundschaft verbindet. Von ihm und seiner Frau Rosemarie lernte ich im Verlauf der Jahre viel über Krippenbau, Figurengestaltung und -bekleidung. Von unschätzbaren Wert sind für mich die vielen Tipps und Tricks, die sie mir aus ihrer langjährigen Krippenbauerfahrung vermitteln konnten.

 

Bei der Feier zum 75jährigen Bestehen der Bamberger Krippenfreunde war Lucia Netzer-Peduzzi anwesend. Sie zeigte bei der Jubliäumsausstellung in der Bamberger Maternkapelle wunderschöne, von ihr selbst gefertigte biblische Erzählfiguren. Ich hatte solche Figuren vorher noch nie gesehen und war begeistert.

 

Florian Hofmann vermittelte den Kontakt zu Frau Netzer-Peduzzi. Während des Gesprächs mit ihr erfuhr ich, dass sie Kurse zur Herstellung der biblischen Erzählfiguren in der Schweiz abhält. Wir tauschten unsere Adressen aus; kurze Zeit später kam das erste Informationsmaterial zu ihren Kursen bei mir an.

1995 war es dann soweit: Ich meldete mich bei einem ihrer Kurse in der Schweiz an. Der Kurs fand im Dominikanerkloster Ilanz statt. Im Laufe der Kurswoche lernte ich nicht nur die Herstellung der biblischen Erzählfiguren, sondern auch viele nette Leute kennen. Unter anderem traf ich auch Schwester Anita Derungs, die 1964 die ersten biblischen Figuren entwickelt hatte. Gerne denke ich noch heute an diese kreative und besinnliche Woche im Kloster Ilanz zurück.